Gedanke:
Dich lieben und von dir geliebt
ich spüre mich
ich atme
ich lebe
ich bin
in mir pulst es
jagt es
tobt es
ich trau mich
stell mich
lass mich
geb mich
von dir bewegt
von dir berührt
von dir erfüllt
von dir geliebt
dich liebend
und von dir
geliebt
spüre ich mich
kraftvoll
bedenkenlos
lebendig
nach Andrea Schwarz
Impuls:
Was ist das Leben?
An einem schönen Sommertag war um die Mittagszeit tiefe Stille im Wald eingetreten. Die Vögel stecken ihre Köpfe unter die Flügel, und alles ruhte.
Da reckte der Buchfink sein Köpfchen und fragte: „Was ist das Leben?“ Alle waren betroffen über diese schwere Frage. Eine Rose entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach: „Das Leben ist eine Entwicklung.“ Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Lustig flog er von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte: „Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein.“ Drunten am Boden schleppte sich eine Ameise mit einem Strohhalm ab, zehnmal länger als sie selbst, und sagte: „Das Leben ist nichts als Mühe und Arbeit…“
Es hätte nun einen großen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte: „Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen…“ Hoch über ihnen zog ein Adler majestätisch seine Kreise, der frohlockte: „Das Leben ist ein Streben nach oben.“ Dann kam die Nacht. Nach einer Weile ging ein Mann durch die leeren Straßen nach Hause. Er kam von einer Lustbarkeit und sagte vor sich hin: „Das Leben ist ein ständiges Suchen nach Glück und eine Kette von Enttäuschungen.“ Nach der langen Nacht kam endlich die Morgenröte und sagte: „Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des kommenden Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit.“
Schwedisches Märchen



